Am 27.06. strahlte RTL im Rahmen seiner Sendereihe "30 Minuten Deutschland" eine Filet Film Reportage bzgl. Autodiebstahl aus. Erneut wird die rasant steigende Diebstahlstatistik und die verblüffende Einfachheit der ungewollten Fahrzeugentwendungen verdeutlicht:
In drei Minuten kann man ein Ei kochen, sich die Zähne putzen oder
ein Auto klauen: rund 115 Autos verschwinden in Deutschland jeden Tag
spurlos. 42.000 waren es im letzten Jahr - so viele wie seit 20 Jahren nicht
mehr. Meist handelt es sich um Auftragsdiebstähle der internationalen
Autoschieber-Mafia. In Südosteuropa ausgesucht, in Litauen bestellt, nachts
in Berlin oder Brandenburg geklaut - und am Morgen schon in Polen an die
Verkäufer übergeben. Die Mafia ist straff organisiert und technisch perfekt
ausgerüstet.
Aber ihre Jäger sind ihnen dicht auf den Fersen: die Polizei
Brandenburg hat eine Spezialeinheit gegründet. Jede Nacht jagen die zivilen
Fahnder die Autodiebe in der Innenstadt von Frankfurt/Oder. Polizei und
Autoknacker liefern sich ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel, denn die Diebe
wissen, dass sie verfolgt werden. Durch die Grenzregionen Brandenburgs
führen auch die Verschiebungsrouten der Autoklauer in Richtung Polen. Immer
öfter durchbrechen verzweifelte Kurierfahrer die Kontrollen der Polizei. Die
Irrfahrten enden nicht selten in spektakulären Unfällen.
Schaffen es die Kurierfahrer nicht über die Grenze, kommt er zum Zug: Manfred Göth ist selbständiger Sachverständiger zum Thema Einbruch- und Diebstahl. Sein Spezialgebiet: elektronische Sicherungssysteme in Kraftfahrzeugen. Er arbeitet im Auftrag von Versicherungen und Autokonzernen. Von elektronischen Wegfahrsperren, über Codierungen von Autoschlüsselsignalen bis hin zu speziellen Alarmanlagen – Manfred Göth kennt alle Tricks der Autoklauer und er sieht sofort, wo ein Versicherungsbetrug vorliegt und wo wirklich Diebe am Werk waren.
Laut der neuesten polizeilichen Kriminalitätsstatistik ist die Zahl der
Autodiebstähle im letzten Jahr um 4 Prozent, im gesamten Bundesgebiet,
angestiegen. Besonders dramatisch ist die Situation in den östlichen
Grenzgebieten. In Brandenburg wurden 2010 rund 22 Prozent mehr
Kraftfahrzeuge gestohlen als 2009 – das sind 4.068 Fälle in einem Jahr.
Die gesamtdeutsche Diebstahlstatistik führt der Toyota Lexus, dicht gefolgt
vom BMX X5 an. In Brandenburg werden dagegen vor allem kleinere
Mittelklassewagen, wie der VW Passat gestohlen. Die Methode ist bekannt:
mithilfe mechanischer Überdrehwerkzeuge werden Fahrertürschloss und
Zündschloss herausgedreht. Danach wird die elektronische Wegfahrsperre
mithilfe des OBD (On Board Diagnose) Tools ausgeschaltet. Die beinhaltete
Software blockiert die Wegfahrsperre der Fahrzeugelektronik und das Auto
kann mit einem einfachen Schraubenschlüssel gestartet werden. Das Ganze
dauert ca. 1 Minute.
Die „Besondere Aufbauorganisation Grenze“ (BAO „Grenze“) in Frankfurt/ Oder wurde im November 2010 gegründet um der bandenmäßig organisierten Kfz-Kriminalität in Frankfurt/ Oder entgegen zu treten. Denn in der Grenzstadt sind die Zahlen besonders alarmierend. In den drei Jahren - von 2007 bis 2010 - stieg die Zahl der Autodiebstähle um dramatische 494 Prozent an. Die Diebe sind keine Gelegenheitstäter; sie kommen in kleinen Gruppen über die Grenze und arbeiten arbeitsteilig in der Stadt. Während einer der Gruppe die Autos aufbricht und umprogrammiert, sind die anderen Kurierfahrer, die Fahrzeuge schnell nach Polen bringen sollen. Da die elektronischen Werkzeuge (OBD Tools) modellabhängig sind, wird nur auf Bestellung gestohlen. In Frankfurt waren 2010 56 Prozent aller Tatverdächtigen nichtdeutsch; 79 Prozent der nichtdeutschen Tatverdächtigen kam aus dem Nachbarland Polen.
Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen im Winter 2008 ist das Entdeckungsrisiko für die Diebe erheblich gesunken. Gleichzeitig hat eine EU-Gruppenfreistellungsverordnung die großen Autohersteller zur Herausgabe der Software für Fahrzeugelektronik gezwungen. Die Verordnung wurde zur Unterstützung typenoffener Werkstätten erlassen. Sie eröffnete gleichzeitig aber Autodieben ganz neue Möglichkeiten. Die BAO „Grenze“ arbeitet mit 54 Mitarbeitern im gesamten Grenzgebiet Brandenburgs. Dazu gehört, neben regelmäßigen Großeinsätzen mit Kontrollstellen und zusätzlichen Kräften auch der ständige Einsatz von Zivilfahndern.